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Digital vor ambulant - App-Studie zur digitalen Arzt-Patientenkommunikation

4. Juli 2018

Lohfert-Preis

Beim diesjährigen Hauptstadtkongress für Gesundheit und Medizin war Digitalisierung das Wort der Stunde. Was die einen seit Jahren erhoffen – Arbeitserleichterung, Prozessdenken, mehr Zeit für den Patienten – wird von den anderen befürchtet: Datenlecks, Rationalisierung, noch weniger Zeit für den direkten Kontakt zum Patienten. Da passt es, dass die Christoph Lohfert Stiftung im letzten Jahr die Evaluierung einer Smartphone-App gefördert hat – wie ist da heute der Stand?

Im E-Mail-Interview berichtet Herr Prof. Dr. med. Andreas Trojan, OnkoZentrum Zürich und Preisträger des Lohfert-Preises 2017, über das pämierte Projekt „Nützlichkeit und Effizienz von Smartphone Apps zur Erfassung von Symptomen und Therapienebenwirkungen in der Behandlung von Krebspatienten“:


Herr Professor Trojan, Sie haben den Lohfert-Preis 2017 erhalten, weil Sie eine Smartphone App für die Arzt-Patienten-Kommunikation entwickelt und evaluiert haben: Was ist Ihre Erkenntnis zum jetzigen Zeitpunkt? Geht „digital“ vor „ambulant“?

Wir haben die Smartphone Applikation „Consilium“ für onkologische Patienten entwickelt. Ziel war, Symptome und Therapienebeneffekte frühzeitiger erkennen zu können, gerade wenn sich der Patient zwischen den regulären Konsultationen zu Hause aufhält. Im schlimmsten Fall können wir so Notfalleinsätze verhindern.

Herausgestellt hat sich, dass sich dank der App auf jeden Fall die Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten und ihren Patienten verbessert: Dadurch, dass die Patienten regelmäßig in der App ihr Befinden dokumentieren, werden sie sensibler für Veränderungen und können diese auch im Gespräch mit ihrem Arzt leichter ansprechen. Das Behandlungszentrum sieht die Daten zudem in Echtzeit. So kann es ggf. schnell reagieren. Das verschafft den Patienten zu Hause auch eine gewisse Sicherheit.

Wir haben die App zunächst in einer Pilotstudie mit Brustkrebspatientinnen evaluiert und konnten diese Effekte tatsächlich nachweisen – allerdings nur, wenn die erfassten Daten gemeinsam mit einem Arzt besprochen werden. 

Stellt die App denn auch eine Erleichterung für das Personal in der Praxis dar? Ist die Überwachung der Daten, die da laufend reinkommen, nicht eine zusätzliche Belastung?

Diese Erfahrung haben wir bisher nicht gemacht, da wir die Applikation vor allem im Rahmen von Studien verwendet haben. Sie sprechen aber einen wichtigen Aspekt an: Solche Applikationen müssen sich in die bestehenden Prozesse einfügen oder diese verbessern. Wenn sie nur ein Zusatz zu den ohnehin schon belasteten Arbeitsabläufen sind, dann werde sie kaum auf Akzeptanz stoßen.

Filmportrait zum Lohfert-Preis 2017

 

Was sagen Sie zum Thema Datensicherheit?

Datensicherheit ist zentral und eine Grundvoraussetzung, um das Vertrauen von Patienten und Praxen zu gewinnen. Unsere Applikation basiert auf einer End-zu-end-Verschlüsselung, was die meisten Datenschutzprobleme löst. Der Patient hat zudem die Kontrolle über seine Daten. Er oder sie muss die Übertragung aktiv veranlassen. Datenschutz ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Datennutzung. Hier setzen wir auf einen verantwortlichen Umgang der Praxen und Behandlungszentren, wie dies im Zusammenhang mit Gesundheitsdaten ohnehin schon gegeben ist. Die Daten, die im Rahmen von Studien durch die App erhoben werden, werden durch uns Studienärzte denn auch nur zu diesem Zweck und anonymisiert verwendet.

Sie haben kürzlich eine Studie mit 800 Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen begonnen: Was erhoffen Sie sich von dieser Studie? Wie geht es danach weiter?

Wir wollen den App-Einsatz zum Monitoring von Symptomen und Therapienebenwirkungen in einer Population mit verschiedenen Krebsarten und unterschiedlichen Therapieformen bewerten. Deshalb läuft seit März 2018 die große „Consilium“-Studie, in die 800 Personen einbezogen werden.

Die Studie dient nun gewissermaßen als Plattform für weitere Pilot-Projekte. Diese können entsprechend der Bedürfnisse der Kooperationspartner, wie beispielsweise universitäre Zentren, angepasst werden. Zudem wird eine mögliche Verknüpfung mit Cyber Security und Künstlicher Intelligenz Vorgaben für weitere wissenschaftliche Fragestellungen liefern.

Rein praktisch hoffen wir, die App schnell für möglichst viele Therapieformen und Krankheiten einsatzfähig zu machen. Beispielsweise in Kinderkliniken: Eltern von Kindern mit schweren oder chronischen Erkrankungen würden eine App sicher begrüßen, wenn sie damit dem einen oder anderen Weg in die Klinik sparen und sich trotzdem sicher betreut fühlen könnten.

Hamburg, Zürich, im Juni 2018

Save the date: 19. September 2018

Verleihung des Lohfert-Preises 2018 im Rahmen des 14. Hamburger Gesundheitswirtschaftskongresses