Patienten mit hochgradigem oder endgültigem Verlust der Nierenfunktion (Dialysepflichtigkeit) können sich für eine Nierentransplantation an spezialisierten Transplantationszentren melden. Nach der Transplantation sind regelmäßige Nachsorgetermine notwendig, die häufige Fahrten zum Transplantationszentrum erfordern. Diese Fahrten verursachen hohe Kosten und Zeitaufwände und belasten die Umwelt durch CO₂-Emissionen und Feinstaub durch Reifenabrieb.
Ziel von MACCS ist es, die posttransplantationsmedizinische Versorgung durch telemedizinische Lösungen zu verbessern und gleichzeitig Ressourcen zu sparen. Dazu sollen Anfahrten reduziert, papierbasierte Dokumentation vermieden und die Adhärenz der Patient:innen gestärkt und die Versorgung optimiert werden. Außerdem wird ein digitaler Austausch zwischen Behandlern im Krankenhaus, in der Praxis und den Patient angestrebt. Das Projekt basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung und wurde von einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegefachkräften, Medizininformatiker, Mathematiker und Informatiker entwickelt.
Eine Patienten-App ermöglicht die digitale Übermittlung von Medikationsdaten, Laborwerten und Vitalparametern über eine datensichere HL7 FHIR-Schnittstelle. Ein Telemedizinteam kontrolliert täglich die eingehenden Daten und steht für medizinische Anfragen zur Verfügung. Das Telemedizindashboard ist direkt in das elektronische Dokumentationssystem TBase integriert. Das Konzept umfasst ein Refinanzierungsmodell durch Selektivverträge mit großen Krankenkassen. Über MACCS werden bereits über 650 Patienten betreut und ermöglicht häufigere Termine bei niedergelassenen Nephrologen, wodurch Anfahrten zum Transplantationszentrum reduziert werden.
Die App stärkt die Adhärenz und fördert eine optimierte medikamentöse Einstellung durch umfassende Vitaldaten. Die telemedizinische Versorgung steigert zudem die Lebensqualität und das Sicherheitsempfinden der Patienten. Das Nachfolgeprojekt smartNTx evaluiert aktuell den Erfolg des Modells in einer randomisierten, kontrollierten Studie. Das MACCS-Projekt zeigt, dass eine telemedizinische Nachsorge nach Nierentransplantation nicht nur die Versorgungsqualität verbessert, sondern auch Ressourcen spart und die Umwelt entlastet. Durch die enge digitale Vernetzung aller Beteiligten wird eine kontinuierliche und effiziente Betreuung ermöglicht. Das Konzept hat Vorbildcharakter für die Versorgung anderer Transplantationsgruppen.