Die Appendizitis gehört zu den häufigsten chirurgischen Notfällen bei Erwachsenen und Kindern, wobei die Standardtherapie traditionell in einer operativen Entfernung des Blinddarms (Appendektomie) besteht. In Österreich werden jährlich etwa 9.200 solcher Eingriffe durchgeführt, was erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem verursacht. Neue Studien belegen jedoch, dass eine beginnende Appendizitis unter bestimmten Umständen auch erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden kann. Die Covid-19-Pandemie beschleunigte diesen Paradigmenwechsel, da begrenzte Ressourcen die Entwicklung nicht-operativer Ansätze, sowie die Integration von Telemedizin förderten.
Während erste Studien an Erwachsenen vielversprechende Ergebnisse zeigen, fehlt es bislang an Daten zur ambulanten antibiotischen Behandlung bei Kindern. Die NOAH-Studie (Non-Operative Appendicitis Handling), die seit Juli 2021 läuft, untersucht die konservative Behandlung unkomplizierter Appendizitis bei Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren. Ziel der Studie ist es, die Machbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit dieser Therapieoption zu bewerten. Nach der Diagnosestellung können die Patienten zwischen einer operativen Behandlung und einer antibiotischen Therapie wählen. Zur Sicherstellung der Patientensicherheit wurde ein telemedizinisches Gerät entwickelt, das eine kontinuierliche Überwachung ermöglicht und frühzeitig Komplikationen erkennt.
Das Protokoll wurde erfolgreich in den klinischen Alltag integriert, einschließlich der Präsentation des Konzepts auf internationalen Kongressen, und einer Kostenanalyse im Jahr 2024. Erste Ergebnisse deuten auf eine hohe Erfolgsquote der konservativen Behandlung hin, verbunden mit einer signifikanten Kosteneinsparung im Vergleich zur traditionellen Operation bei weiterhin hoch liegender Patientenzufriedenheit. Diese innovative Therapieform könnte langfristig eine sichere, kosteneffiziente und ressourcenschonende Alternative zur operativen Behandlung der beginnenden Appendizitis bei Kindern darstellen. Die telemedizinische Überwachung gewährleistet dabei höchste Patientensicherheit, sodass die Behandlungsqualität nicht beeinträchtigt wird. Dieses Modell könnte künftig die Anzahl operativer Eingriffe reduzieren und die Effizienz des Gesundheitssystems nachhaltig verbessern.